Auswandererhallen

So sah es um 1898 an der Stelle aus, wo sich heute die Harburger Chaussee, die Veddeler Strasse und der Veddeler Bogen treffen. Die Strassesbahn-Linien 33, 35, und gelegentlich die 14 fuhren damals und noch lange später über die Wilhelmsburger Brücke. Gerade durch das Gelände, dort wo das Turmhaus liegt und die beiden Schornsteine dampfen, wurde die Veddeler Strasse gebaut. Die beiden Hallen die mit dem Pfeil gekennzeichnet sind, sind die letzten die heute noch stehen. Es handelte sich hierbei um Schlafräume, einen für Frauen, einen für Männer. Die Gebäude wurden von Albert Ballin errichtet, der hier die Auswanderer nach Amerika für seine Schiffe sammelte und unterbrachte, damit sie nicht den "Haien" am Hafen in die Hände fielen. Im ersten Weltkrieg dienten sie als Marinelazarett; im letzten Krieg wurden sie durch Bomben zerstört und nachher abgerissen.

1. Ansicht des Eingangsbereiches der Auswandererhallen (1909)

Ab 1900 errichtet die HAPAG auf der Veddel die "Auswandererhallen". Weitab vom Stadtzentrum Hamburgs entsteht allmählich ein neues Quartier. Für Zeitgenossen ist diese Einrichtung ein Vorbild an Sauberkeit und Effektivität.

 

2. Emigranten auf dem Weg zur Abfertigung (1909)

Mit dem Zug eintreffende Emigranten werden als erstes in die Eingangshalle geschleust. Angestellte der HAPAG in Uniform oder Zivil führen die Aufsicht.

9

3. Eingangshalle der Auswandererstadt auf der Veddel (1909)

Jeder Ankömmling muß sich in der Eingangshalle einer Personalienkontrolle und einer ersten Gesundheitsuntersuchung unterwerfen. Die Anlage besteht aus einer "unreinen" und einer "reinen" Seite. Nach Desinfektion und ärztlicher Untersuchung gelangt man auf die "reine" Seite.

 

4. Emigranten in den Passagierhallen am Strandkai

 

 

5. Werbeaufnahme des Speisesaals

6. Aufnahme des Massenschlafsaals (1909)

Die HAPAG läßt die renommierten Hamburger Fotographen Johann und Heinrich Hamann Werbefotos von den Auswandereranlagen machen. Damit soll im Osten geworben werden. Aufnahmen der Massenunterkünfte werden nicht gezeigt. Die gedeckten Tische prägen daher bis heute das Bild der Auswanderhallen.

 

7. Speisesaal in den Veddeler Auswanderungshallen (1909)

Trotz der militärähnlichen Organisation, der isolierten Lage und der Quarantäne - die Auswandererhallen sind eine klare Verbesserung zu den früheren Zuständen. Da eine Großzahl der Auswanderer jüdischen Glaubens ist, gibt es auf der Veddel eine Synagoge und koschere Speisen gemäß den religiösen Vorschriften.

 

8. Emigranten warten darauf, das Fährschiff zu besteigen, daß sie zum Ozeandampfer bringt

Die HAPAG sorgt dafür, daß mittellose Auswanderer nicht in die Stadt gelangen. Die künftigen Zwischendeckpassagiere leben in einem abgeschirmten Lager. Als positive Begleiterscheinung wird so verhindert, daß den unerfahrenen Emigranten überteuerte und unnütze Ware aufgeschwatzt wird.

 

9. Auswanderer besteigen an den Landungsbrücken den Ozeandampfer (1910)

Für viele Emigranten ist Hamburg das Tor zur Welt. Von der Stadt selbst sehen die meisten fast nichts. Auch die Hamburger wissen wenig von den Auswanderern. Den nach dem Reeder Albert Ballin benannten Ballindamm kennt jeder Hamburger. Kaum einer weiß jedoch, daß durch das Wirken Ballins vielen Menschen die Flucht vor Verfolgung und Armut erleichtert wurde.

Auswanderergelände von der Harburger Chaussee aus gesehen
Maschinen und Kesselhaus

 

Die Bilder 1 -9 sowie der darunter stehende Text stammen von der Seite:

www.hamburg.de

mit Erlaubnis von, Senatssprecher Rainer Scheppelmann. An dieser Stelle; vielen Dank!

Home · Impressum